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B9 : Kontrafaktische Analyse der Verteilung von Ergebnisvariablen des Arbeitsmarktes am Beispiel des individuellen Einkommens

Projektleitung

Dr. John P. Haisken-DeNew
Prof. Dr. Christoph M. Schmidt Ph.D.
 

Kurzbeschreibung


Dieses Projekt untersucht den Einfluss staatlicher Maßnahmen nicht nur auf die in der modernen Evaluationsliteratur üblichen Durchschnittseffekte, sondern auch auf die marginalen Effekte für Teilnehmer und Nicht-Teilnehmer an einer Maßnahme an verschiedenen Stellen der Ausgangsverteilung. Zentrale Herausforderung ist dabei die Konstruktion kontrafaktischer Ergebnisverteilungen. Inhaltlicher Anker sind die Einkommensverteilungen niedrig qualifizierter Individuen vor und nach den umfassenden Reformen des sozialen Sicherungssystems in Deutschland.


Wirtschaftliche Leistungsfähigkeit und individuelles Einkommen sind typischerweise selbst bei Menschen mit identisc hen beobachtbaren Charakteristika verschieden. In der ökonomischen Literatur wird diese Komplexität üblic herweise durch die Wahl von zusammenfassenden Maßen, z. B. Ungleich heitsmaßen oder Armutsquoten, in eine ökonomisch leicht zu interpretierende Form komprimiert. Allerdings sind deskriptive Studien nicht in der Lage, die kausalen Effekte wirtschafts- und gesellschaftspolitisc her Rahmensetzungen zu erfassen. Insbesondere sind an verschiedenen Stellen der Verteilung unterschiedlic he Effekte zu erwarten. Daraus ergibt sich die ökonomisc he Kernfrage: "Wie sähen die Einkommensverteilung und damit Maße der Ungleichheit aus, wenn die Umstände andere gewesen wären?"

Diese Frage erzwingt eine explizite Modellierung der individuellen kontrafaktischen Einkommenssituation und somit der gesamten kontrafaktischen Einkommensverteilung, wie sie ohne die zu evaluierende Maßnahme zustande gekommen wäre. Spielt unbeobachtete Heterogenität für die Teilnahme-Entscheidung der betrachteten Individuen eine erhebliche Rolle, dann lässt sich diese Konstruktion nicht direkt aus den Verteilungen der Nicht-Teilnehmer ableiten. So deutet Vieles darauf hin, dass in Deutschland Erwerbstätigkeit und Einkommensarmut eine hohe negative Korrelation aufweisen. Allerdings lässt sich ohne die explizite Formulierung und Schätzung der kontrafaktischen Einkommensverteilungen keineswegs die (für die wirtschaftspolitisc he Arbeit essentielle) Kausalaussage ableiten, Beschäftigung sei der primäre Weg zur Vermeidung von Einkommensarmut. Dazu müsste zunächst der Nachweis geführt werden, dass die verfügbaren Einkommen der Beschäftigten im Falle der Nicht-Beschäftigung deutlich niedriger lägen als im Falle der Beschäftigung, bzw. dass die Nicht-Beschäftigten durch eine Beschäftigungsaufnahme ihr Einkommen spürbar erhöhen könnten.

Dieses Projekt untersucht daher insbesondere die Rolle der Beschäftigungsentscheidung für das individuell verfügbare Einkommen. Im Laufe der letzten Jahre sind die Rahmenbedingungen dieser Entscheidung in Deutschland erheblich verändert worden. Die Frage ist also, inwieweit diese Reformen es vermocht haben, über veränderte Rahmenbedingungen die Beschäftigungs­neigung niedrig qualifizierter Arbeitnehmer und somit deren verfügbares Einkommen zu erhöhen. Um diese Frage zu beantworten, müssen sowohl vor als auch nach den umfassenden Reformen kontrafaktische Einkommensverteilungen ermittelt werden.